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Partizipative integrierte lokale Entwicklung (CLLD)* : Stellen wir ihren Erfolg sicher!


In dieser gemeinsamen Stellungnahme begrüßen mehrere Organisationen der europäischen Zivilgesellschaft mit langjähriger Erfahrung und fundierten Kenntnissen in lokaler Entwicklung die Vorschläge, die die Europäische Kommission für „von der örtlichen Bevölkerung betriebene Maßnahmen zur lokalen Entwicklung“ (CLLD) vorgelegt hat.

Dabei rufen sie europäische, nationale, regionale und lokale Interessengruppen zum Handeln auf, damit diese Initiative zu einem wesentlichen Bestandteil des gemeinsamen strategischen Rahmens (GSR) und der Partnerschaftsvereinbarungen werden kann, der alle Fonds einschließt und städtische, ländliche und fischereispezifische Gebiete abdeckt, wobei auf den bisherigen Erfolgen des CLLD-Ansatzes aufgebaut und Hindernisse für dessen Anwendung aus dem Weg geräumt werden.

Begrüßenswerte Vorschläge für CLLD

Die Europäische Kommission hat für den Zeitraum 2014-2020 konstruktive und erfreuliche Vorschläge verabschiedet, in deren Rahmen die GSR-Fonds EFRE, ESF, ELER und EMFF zur Finanzierung von partizipativer integrierter lokaler Entwicklung (CLLD) verwendet werden sollen.
Um den territorialen Zusammenhalt der Union zu stärken, verweist die Kommission auf die Rolle von Städten, funktionalen Gebietseinheiten und kleinregionalen Gebieten, die mit spezifischen geographischen oder demographischen Herausforderungen konfrontiert sind. Eine Strategie zur Bewältigung besteht darin, die Umsetzung integrierter lokaler Entwicklungsstrategien und die Einrichtung lokaler Aktionsgruppen (LAGs) auf der Grundlage der Erfahrungen mit dem LEADER-Ansatz zu fördern.

Die Kommission schlägt eine einheitliche Methodik in Bezug auf die CLLD für die GSR-Fonds vor, die:
 sich auf bestimmte subregionale Gebiete konzentriert;
 von der Bevölkerung, in Form lokaler Aktionsgruppen bestehend aus VertreterInnen der lokalen Öffentlichkeit und interessierten Privatpersonen, betrieben wird;
 sich in integrierte und sektorübergreifende, gebietsbezogene, lokale Entwicklungsstrategien übersetzt, die lokale Bedürfnisse und Potenziale berücksichtigt; und
 innovative Besonderheiten im lokalen Kontext berücksichtigt sowie Networking und gegebenenfalls gebietsübergreifende Zusammenarbeit miteinschließt.

Diese einheitliche Methodik ermöglicht eine integrierte Nutzung der Fonds zur Umsetzung lokaler Entwicklungsstrategien.

''Die Kommission möchte, dass mit CLLD insbesondere folgende Ziele verfolgt werden:
 Gemeinden sollen ermutigt werden, integrierte Bottom-up-Ansätze zu entwickeln, wenn es gilt, auf territoriale und lokale Herausforderungen zu reagieren, die einen Strukturwandel erforderlich machen;
 Stärkung der Gemeinden und Stimulation von Innovation (einschließlich sozialer Innovation), Unternehmertum und der Fähigkeit zur Veränderung, indem das Entwickeln und Erkennen ungenutzter Potenziale in den Gemeinden und Gebieten gefördert wird;
 Förderung der lokalen Eigenverantwortung, indem Engagement der BürgerInnen in den Gemeinden erhöht und ein Gefühl des Eingebundenseins und der Eigenverantwortung geschaffen wird, das die Wirksamkeit der EU-Programme erhöhen kann; und
 Unterstützung der Mehrebenen-Governance, indem Gemeinden ein Weg aufgezeigt wird, wie sie die Umsetzung der EU-Ziele in allen Bereichen vollständig mitgestalten können.

Überdies liefert der Kommissionsvorschlag Anreize zur Umsetzung operationeller Programme über CLLD (z. B. über höhere Kofinanzierungsanteile der GSR-Fonds); schließlich beabsichtigt die Kommission, CLLD einen erheblichen Budgetanteil zuzuweisen, zumal beim ELER eine Zweckbindung von 5 % für CLLD festgelegt wurde.

Die Lehren aus der früheren Umsetzung von partizipativer integrierter lokaler Entwicklung (CLLD)

Wir betrachten die Vorlage des strategischen Rahmenentwurfs als wohl überlegten Schritt, der die dezentralisierte Governance weiterentwickeln und zu nachhaltiger Entwicklung beitragen kann. Tatsächlich stützt er sich auf über 20 Jahre Erfahrung mit LEADER und ähnlichen Initiativen und Programmen, die partnerschaftsbasierte lokale Entwicklungsstrategien förderten. Ihre experimentellen Wurzeln, noch außerhalb des EU-Strukturfondsrahmens, reichen in die beginnenden 1980er-Jahre zurück.
Die Erfahrung zeigt, dass der Ansatz bei vergleichsweise geringfügigem Investitionsaufwand zahlreiche beschäftigungsfördernde lokale Initiativen hervorgebracht hat. Diese erfreuten sich großer Beliebtheit und ermöglichten den lokalen Akteuren, nachhaltige Lösungen für viele der in der Europa 2020-Strategie benannten Herausforderungen zu entwickeln. Die bisherigen Erfahrungen zeigen aber auch, dass dieser Ansatz in der praktischen Umsetzung auf eine Reihe von Hindernissen und Grenzen stößt:
 Die „LEADER-Methode“ ist die bei weitem systematischste und meist verbreitete Anwendung von CLLD in Europa und weltweit. Obgleich der Ansatz selbst weithin in gutem Rufe steht, hat die Form seiner Umsetzung als LEADER-Achse in den gegenwärtigen ELER-Programmen für den ländlichen Raum den Spielraum für lokale Innovation und Initiative begrenzt. Die lokalen Akteure bemängeln dabei die vielen Reibepunkte mit öffentlichen Behörden, den zu geringen Spielraum für lokale Entscheidungsprozesse, die zu enge Auslegung der Förderbarkeit von Projekten und Aktivitäten sowie, damit in Zusammenhang stehend, das schwindende Engagement der der Bürgerinnen und Bürger.
 Seit 2007 wird ein vergleichbarer Ansatz im Europäischen Fischereifonds erfolgreich umgesetzt. Dieser belegt auf interessante Weise, wie der Ansatz dazu beitragen kann, verschiedene Herausforderungen zu meistern, denen sich bestimmte Bevölkerungsgruppen gegenübersehen. Gleichwohl befinden sich die Partnerschaften erst in ihrem Entstehungsprozess und gemahnen daran, welch langer Fristen es für nachhaltige Ergebnisse bedarf.
 Obschon Gemeinschaftsinitiativen wie URBAN und EQUAL nicht alle Schlüsselkomponenten von CLLD aufgegriffen haben, demonstrierten sie doch den Wert lokaler Entwicklungsstrategien. Allerdings wurden zahlreiche innovative Aspekte im Zuge ihrer Integration in Mainstream-Programme verwässert. URBACT hat den Ansatz durch die Beteiligung unterschiedlicher Gruppen an lokalen Aktionsplänen weiterentwickelt, wobei diese jedoch keinen direkten Zugang zu Umsetzungsmitteln haben.
 Zahlreiche andere örtliche Initiativen, wie Lokale Agenda 21, Transition Towns, territoriale Beschäftigungspakte, lokale Kampagnen gegen Armut, Arbeitslosigkeit oder Diskriminierung, weisen mit CLLD identische Ziele und/oder Zielgruppen auf. Gleichwohl gehen auch diese nicht mit Finanzierungsinstrumenten und CLLD-typischen Governance-Vereinbarungen einher.
In Bezug auf die Erfahrungen mit CLLD und artverwandten Ansätzen sei auf zwei wichtige Aspekte verwiesen:
• Obwohl die Umsetzung von LEADER insgesamt betrachtet ein Erfolg war, kommt sein gesamtes Potenzial bislang noch nicht voll zur Geltung. Das liegt vor allem daran, dass es aus Sicht der Programmbehörden (eben nur) ein „Umsetzungsinstrument“ ist. Das führte dazu, dass LEADER ohne besondere Vorkehrungen in Mainstream-Programme integriert wurde, um dann von den Behörden in der eingefahrenen „Top-down“-Routine umgesetzt zu werden.
• Ferner stellt CLLD für nationale Behörden eine doppelte Herausforderung dar, weil (i) wesentliche Entscheidungsprozesse an mehrheitlich nicht-öffentliche Akteure – wie es lokale Aktionsgruppen eben sind – delegiert werden und (ii) verschiedene Fonds integriert werden sollen. Allerdings dürfte eine rein auf freiwilliger Basis beruhende Integration im Rahmen der neuen EFRE-, ESF-, ELER- und EMFF-Vorschriften außer in einigen wenigen engagierten Mitgliedstaaten und Regionen wenig Erfolg zeitigen. Denn in aller Regel koordinieren sich Behörden statt über Fonds hinweg eher innerhalb der Fonds; fondsübergreifende Koordinierung würde zusätzliche Vorkehrungen und die Bereitschaft erfordern, diese langfristig fortzuführen.
Aus diesen Gründen sind wir besorgt darüber, dass mangelnde Klarheit in Bezug auf die CLLD-Bestimmungen auf EU-Ebene und die Unsicherheiten über die Form, wie diese auf Mitgliedstaatsebene in die „Realität“ umgesetzt werden, dazu führen könnten, dass die großartige Chance, die die Kommissionsvorschläge darstellen, ungenutzt bleibt.

Eine große Chance, die nicht verpasst werden darf

Diese Hindernisse sind aus dem Weg zu räumen, damit die CLLD-Chance nicht ungenutzt verpufft, nur weil Planung und Implementierung der GSR-Maßnahmen nicht mit der Ausrichtung der CLLD 2014-2020 im Einklang stehen. Für uns ist CLLD nicht nur ein Mechanismus zur besseren Koordinierung der Fonds, sondern auch eine einzigartige Gelegenheit, das lokale Sozialkapital zu fördern sowie die Dynamik, Innovation und anderen Charakteristika des CLLD-Ansatzes so zu nutzen, dass wertvolle europäische Initiativen auch in anderen politischen Bereichen neuen Schwung erhalten und auf lokaler Ebene zur Europa 2020-Strategie beitragen können. Wie bereits aufgezeigt, bedeutet dies Herausforderungen in den folgenden drei Bereichen zu meistern:
• Was Maßnahmen der örtlichen Bevölkerung in ländlichen und Küstenregionen und in der Binnenfischerei angeht, zeigen erste Erfahrungen, dass die meisten Interessengruppen – insbesondere diejenigen, die seit längerem so arbeiten – die „LEADER-Methode“ weiter entwickeln, wobei sie aus früheren Erfahrungen lernen und sich mit der Kritik an der Umsetzung von LEADER in der aktuellen Periode auseinandersetzen.
• Des Weiteren ist das Potenzial zur Anwendung partizipativer Ansätze in Städten und Ballungsgebieten für verschiedene urbane Herausforderungen nicht hoch genug einzuschätzen. Dazu soll auch erwähnt werden, dass die Kommission erstmals eine spezielle Priorität für nachhaltige Stadtentwicklung in den Strukturfonds vorgeschlagen hat.
• Europa als Ganzes steht vor Herausforderungen, die besonderer Aufmerksamkeit und auch großer und langfristiger Investitionen sowie gut abgestimmter Mehrebenen-Governance bedürfen: Eine alarmierende Zahl junger Menschen steht ohne Arbeit da; der soziale und wirtschaftliche Wohlstand und soziale Gleichheit sind durch hartnäckige Rezession bedroht; Rohstoffe werden knapp und teuer; Umwelt- und Klimaschutz erfordern mehr denn je unsere Achtsamkeit; demographische Trends setzen lokale Gemeinschaften großen Belastungen aus, während sich zahlreiche neue interkulturelle Gemeinschaften herausbilden: denn einerseits altert Europa und andererseits sind neue Bevölkerungsgruppen dabei, sich zu integrieren; es ist zunehmenden Ungleichgewichten und allen Formen der Diskriminierung entgegenzuwirken; und nicht zuletzt geht es um gleichberechtigten Zugang zu Wissen und Information sowie demokratische Kontrolle. In all diesen Bereichen kann CLLD Veränderungen herbeiführen, indem es Ansatzpunkte und Testräume für partnerschaftsbasierte, beteiligungsorientierte, innovative und nachhaltige Lösungen schafft.
Im Übrigen befindet sich inzwischen die europäische Politikgestaltung in einer Legitimierungskrise. Die Bürgerinnen und Bürger zeigen sich größtenteils uninformiert, ja sogar entfremdet von den europäischen Institutionen und Entscheidungsstrukturen. Die Vorzüge gemeinsamer europäischer Lösungen bleiben ausgeblendet. Die bloße Fortsetzung und Überarbeitung früherer Programme wird diese beunruhigende Schwächung des europäischen Gedankens ohne Frage weiter verschlimmern. CLLD bietet die Möglichkeit, die europäische Entwicklungsperspektive aufzuwerten. Dabei kann der CLLD-Ansatz Innovation in vielen Lebensbereichen beflügeln, auf diese Weise den Reichtum Europas aufzeigen und in schwierigen Zeiten Hoffnung und Solidarität nähren. Die Herausforderung für CLLD besteht darin, der lokalen Demokratie durch neue Wege der Bürgerbeteiligung Auftrieb zu verleihen, neue Perspektiven zu eröffnen und neue Formen lokalen Wirtschaftens und Zusammenlebens zu erproben.
Wir sind der Auffassung, dass alle Bevölkerungsgruppen und Gebiete von einem Förderrahmen profitieren können, der innovative und partizipative Lösungen durch von der örtlichen Bevölkerung betriebene Entwicklungsmaßnahmen ermöglicht und anregt.
Was die unterschiedlichen Gebiete angeht, sehen wir folgende Möglichkeiten:
 im ländlichen Raum Europas: einen „verjüngten“ LEADER-Ansatz, in dessen Rahmen lokale Gruppen innovative Strategien verfolgen und sich in integrative Partnerschaften einbringen können, die ihren Schwerpunkt auf strategische Gebietsentwicklung sowie Dialog und Kooperation legen;
 in den Städten: lokale Aktionsgruppen, die sich vor allem auch in den benachteiligten Wohngebieten großer Städte herausbilden; an denen sich Ältere und Jüngere, Kaufleute und Arbeitslose, alteingesessene und neue EinwohnerInnen, BürgerInnen und Stadtverwaltungen beteiligen, um das öffentliche Leben umzugestalten, die Nahversorgung aufwerten und vernachlässigte Stadtviertel nach und nach durch zahlreiche kleine Projekte zu neuer Blüte bringen;
 in Küstenregionen und in der Binnenfischerei: lokale Partnerschaften, die Fischerdörfern neue Impulse verleihen, Fischern mehr Nähe zu ihren Kunden und zusätzliches Einkommen durch neue Aktivitäten verschaffen sowie Gemeinschaftsinitiativen zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen fördern;
 neue gebietsübergreifende Partnerschaften: zwischen ländlichen Räumen und Marktstädten, Städten und Stadt-Umlandregionen, um soziale Innovation, neue Formen des Wirtschaftens und der Gestaltung öffentlicher Räume zu fördern.
Was die wachsenden wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen angeht, sehen wir folgende Möglichkeiten:
 lokale Aktionsgruppen, die Strategien für CO2-neutrales Wirtschaften umsetzen und ressourcenschonende Investitionen einschließlich dezentralisierter Energieerzeugung, „smart grids“, Mobilitätslösungen usw. auslösen; wir wissen, dass über 70 % der Treibhausgasemissionen auf Lebensgewohnheiten zurückzuführen sind: CLLD ist der einzige Politikansatz, der Menschen in ihrem tatsächlichen Lebens- und Arbeitsumfeld erreicht und aktiviert;
 lokale Aktionsgruppen, die dem wachsenden Bedarf nach städtischem Grün Rechnung tragen und intensive Kooperationsbeziehungen mit nachhaltigen landwirtschaftlichen Familienbetrieben aufbauen: für gemeinwohlorientierte lokale und regionale Lebensmittelversorgungssysteme; für die ökologische Aufklärung junger Menschen, die in urbanen, häufig benachteiligten Umfeldern aufwachsen; um den besorgniserregenden Trends hinsichtlich Fehlernährung, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel entgegenzuwirken und zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit beizutragen;
 lokale Aktionsgruppen, die Netzwerke zur Förderung des interkulturellen Dialogs aufbauen, kulturverbindende Projekte und Veranstaltungen organisieren, die Verflechtung zwischen ländlichen und städtischen Räumen fördern und das wechselseitige Verständnis durch gemeinsame Aktionen und soziales Lernen vertiefen;
 lokale Aktionsgruppen, die lokale und regionale Finanzierungsfonds betreiben, um Kleinst- und Kleinunternehmern ohne Zugang zum Bankensystem zu helfen, ihr Unternehmen zu gründen bzw. zu erweitern und Kooperationsstrukturen miteinander sowie mit ausländischen Partnern aufzubauen;
 Partnerschaften zur innovativen Nutzung von Informationstechnologien, um die BürgerInnen in Dialog und Austausch zu wichtigen Fragen einzubinden; Auslotung sozialer Innovationen für öffentliche Dienstleistungen; Entwicklung lokaler Aktionspläne gegen Armut bzw. zur Unterstützung bestimmter Gruppen wie MigrantInnen, junger Menschen und Frauen usw.

Unsere Vorschläge für die optimale Umsetzung

Das große Potenzial von CLLD fordert die Kreativität lokaler Akteure. Ebenso birgt es Herausforderungen für die politisch Verantwortlichen auf EU- und Mitgliedstaatsebene, damit diese einen sinnvollen Rahmen schaffen, der das kreative Potenzial der lokalen Akteure nutzt und fördert.
Dafür haben wir aus der früheren Umsetzung der CLLD einige Erkenntnisse gewonnen, vor allem in Hinsicht auf
 die Bedeutung eines dezentralisierten, selbstgesteuerten und (hinsichtlich der Förderbedingungen) berechenbaren Entscheidungsprozesses getragen von denjenigen, die sich gemeinsame Ziele gesetzt haben und sie auch gemeinsam erreichen wollen;
 die Besonderheit des CLLD-Ansatzes, der spezifischer Regeln und Verfahren bedarf, die sich von jenen der Mainstream-Programme unterscheiden;
 die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Überarbeitung des regulativen Rahmens für CLLD auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene, was konkret gesprochen bedeutet, alle Interessengruppen schnellstmöglich dazu zu bewegen, die optimale Implementierung von CLLD gemeinsam zu erörtern.
Schließlich müssen wir uns Optionen für die praktische Umsetzung überlegen, damit CLLD für alle Gebietskontexte in den Mitgliedstaaten anwendbar ist. Wir denken da unter anderem an:
 Die Rolle „funktionaler Räume“. Definitionen dieser Art müssen sich auf besondere Gebietsmerkmale beziehen und in thematische Prioritäten für die lokale Strategie übersetzen. Dies trifft insbesondere auf große Stadtgebiete zu, in denen Probleme benachteiligter Viertel nur durch gut abgestimmtes Zusammenwirken zwischen der lokalen und den übergeordneten Governance-Ebenen zu lösen sind.
 Integrierte Strategien. Obwohl eine voll integrierte territoriale Strategie den Idealfall darstellt, müssen bestimmte Dimensionen bzw. Prioritäten in Bezug auf Sektoren (z. B. Fischerei) oder Zielgruppen (z. B. Roma) anerkannt und berücksichtigt werden, gleichwohl ohne in kontraproduktive sektor- oder kategorieorientierte Ansätze zu verfallen.
 Governance. Um den unterschiedlichen lokalen Anforderungen gerecht zu werden, ist eine variable Ausgestaltung horizontaler und vertikaler Partnerschaften, einschließlich der Zivilgesellschaften und öffentlicher Behörden in vielerlei Formen und komplementären Rollen, vor allem ohne die Dominanz einer bestimmten Interessengruppe, vorwegzunehmen und einzuplanen.
 Umsetzungssysteme. Der Teufel steckt auch hier im Detail, weswegen die Details (z. B. die Anwendung vereinfachter Kostenoptionen) vorab zu klären sind, insbesondere im Hinblick auf ergänzende Finanzierungsmechanismen, die lokalen Interessengruppen ausreichende Eigenständigkeit und Flexibilität gewährleisten können.

Allgemein finden praktische Fragen im Kommissionsentwurf in Bezug auf CLLD im Zeitraum 2014-2020 beim ELER und dem EMFF intensiver und detaillierter Berücksichtigung als beim EFRE und ESF. Aufgrund dessen halten wir es für besonders dringlich, die Bestimmungen des EFRE und des ESF in Bezug auf CLLD weiterzuentwickeln, um eine vollständige Gleichberechtigung und Kompatibilität gegenüber den anderen Fonds herzustellen.

Die EU und die politischen Entscheidungsträger in den Mitgliedstaaten müssen handeln

Wir fordern von den EU-Institutionen und Mitgliedstaaten, den Dialog mit lokalen Interessengruppen zu führen, um einen Nährboden für angemessene Strukturen und Verfahren zu schaffen, auf dem lokale Aktionsgruppen wachsen und gedeihen können, damit diese nicht nur zu Instrumenten für die Entwicklung urbaner und ländlicher Räume, sondern auch zu wichtigen Akteuren der Europa 2020-Agenda werden, indem sie an dem dringend erforderlichen, intelligenten, ökologischen und nachhaltigen Wachstum mirwirken, das den Bedürfnissen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen entgegenkommt und zu einem wohlhabenden und integrativen Europa beiträgt.
Demgemäß appellieren wir an die Mitglieder der Europäischen Kommission, des Europäischen Rates und des Europäischen Parlaments,
 CLLD in ihren interinstitutionellen Verhandlungen Priorität einzuräumen;
 CLLD als wirtschaftliche, soziale und institutionelle Innovation und Schlüsselinstrument für die Europa 2020-Strategie auf lokaler Ebene zu betrachten – statt sie als „vorübergehende Fußnote“ der Strukturfondspolitiken und -programme aufzufassen;
 sicherzustellen, dass die gleichen bzw. gleichwertige Grundanforderungen in Bezug auf CLLD in alle vier GSR-Fonds einfließen;
 frühe Fristen für die Auswahl und Genehmigung lokaler Strategien und lokaler Aktionsgruppen festzulegen (vor dem 31.12.2015 für die erste Auswahlrunde, um eine Finanzierungslücke für vorhandene Gruppen zu vermeiden, und nicht nach dem 31.12.2016 für die zweite Runde, damit Neueinsteiger nicht benachteiligt werden und ausreichend Zeit für die Implementierung bleibt).
Insbesondere appellieren wir an die Europäische Kommission:
 Durchführungsbestimmungen für CLLD zu veröffentlichen, die die Anwendung aller CLLD-Schlüsselkomponenten und eine harmonisierte und kombinierte Nutzung der Fonds voll berücksichtigen und förderen;
 sicherzustellen, dass spezielle Bestimmungen für CLLD (im Einklang mit den vorstehenden Ausführungen) in alle Partnerschaftsvereinbarungen einschließlich detaillierter Vereinbarungen zwischen nationalen und regionalen/lokalen Partnern einfließen;
 sicherzustellen, dass der erhöhte Prozentanteil an EU-Kofinanzierung (wie für ELER vorgesehen) nicht ausgenutzt wird, um das Gesamtvolumen an finanzieller Hilfe herunter zu kürzen;
 unverzüglich eine breit angelegte Informationskampagne zu den Möglichkeiten, die CLLD bietet, zu lancieren, die sich an nationale, regionale und lokale politische Entscheidungsträger, Behörden, die Zivilgesellschaft und sonstige Interessengruppen richtet.
Die Regierungen und Behörden der Mitgliedstaaten rufen wir insbesondere auf:
 eng mit der Europäischen Kommission sowie regionalen und lokalen Interessengruppen zusammenzuarbeiten, wenn es um die Ausarbeitung der Partnerschaftsvereinbarungen im Sinne der vorstehenden Ausführungen sowie insbesondere um die Definition einer klaren Strategie und des Budgets für CLLD geht;
 unverzüglich gemeinsam mit lokalen Interessengruppen Unterstützung für die Anwendung von CLLD in verschiedenen Gebieten – d.h. Stadt, Land, Stadt-Umland, fischereispezifisch und grenzübergreifend – zu gewähren und dabei die im gegenwärtigen Zeitraum verfügbaren Mittel für technische Unterstützung zu nutzen; zudem sollen lokale Interessengruppen zu einer kreativen Nutzung von CLLD ermutigt werden, um ein breites Spektrum an Umsetzungsformen zu ermöglichen;
 aktiv die Vereinfachung von Verfahren und den Abbau von Bürokratie für lokale Partnerschaften (LAGs) und Projektträger zu betreiben, um die Autonomie lokaler Partnerschaften zu fördern, unter anderem durch separate Bestimmungen für CLLD in den relevanten operationellen Programmen sowie durch die Veröffentlichung von Durchführungsbestimmungen für CLLD durch die Kommission (siehe oben).

* Die amtliche Übersetzung von Community-Led Local Development lautet: Von der örtlichen Bevölkerung betriebene Maßnahmen zur Ländlichen Entwicklung.

Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche durch AEIDL. www.aeidl.eu(external link), gegengelesen von Robert Lukesch.

Letzte Überarbeitung: 04.10.2012


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